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Über den Tellerrand steigen

21.07.2015 – Neue Einblicke und Sichtweisen führen zu vielen Fragen, zur Überprüfung von Werten und letztendlich zu stetem Wandel. Darin besteht die kardinale Antwort auf die Frage danach, welchen Herausforderungen wir uns als Person, als Mitarbeiter und Führungskraft, als Unternehmen und als Gesellschaft stellen müssen: Veränderungen. Es kommt immer wieder zu Variationen im Kopf, der Umwelt, dem Leben. Durch die digitale Transformation - und meine eigene Rolle darin - begannen sich meine Sichtwinkel zu verändern. Bis ich nicht nur über den Tellerrand blickte, sondern auch ab und zu aus dem Teller stieg.

Ein Großteil meiner Entwicklungen seit 2005 kommt durch meine persönliche digitale Transformation. Vor vielen Jahren war ich in einem Unternehmen angestellt, wo es die typische Anwesenheitspflicht gab. Für ein Projekt jedoch klinkten ein Kollege und ich uns aus der Firma regelmäßig aus. Wir arbeiteten zusammen, wo und wann wir wollten. Das Ziel war ein Konzept für ein Business Data Warehouse. Wir trafen uns beispielsweise abends bei mir zuhause. Selten waren wir so produktiv wie mit diesem „Setting“. Mein Kollege und ich haben unsere Arbeit geregelt und erledigt.

Wir waren damals bereits Wissensarbeiter, auch wenn der Begriff Peter Druckers noch nicht so verbreitet war. Mit der Zunahme der Wissensarbeit wird es immer wichtiger, selbstständig, autonom und doch kollaborativ zu arbeiten. Deswegen muss und wird sich die Arbeitsumgebung für Wissensarbeiter verändern. Das Sinnbild für amerikanische Startups in San Francisco, das Arbeiten im Cafè bei WLAN und Musik, sehe ich zukünftig für immer mehr herkömmliche deutsche Unternehmen als Realität.

Widerstand ist zwecklos

Die „Digitale Transformation“ hat inzwischen die Gesellschaft erfasst. Jeder kann sich diesen Veränderungen stellen oder sich ihnen verweigern. Mittelfristig allerdings sehe ich eine Verweigerung oder sogar das Verfallen in eine katatonische Haltung als sinnlos an, denn „Resistance is futile!“.

Ich frage mich, wie wir als Gesellschaft – in Deutschland und insgesamt als Menschheit – mit dem dynamischen Wandel umgehen sollen. Ich habe keine fertigen Lösungen und keine Wahrheiten. In der Wirtschaft gibt es aber immer mehr Menschen, die so wie ich mögliche Antworten ausprobieren. Dazu gehören neue Organisationsformen und neue Wertesysteme.

Wandel umarmen als ständigen Quell des Lernens

Das Leben besteht aus ständigen Veränderungen. Wir sollten uns Veränderungen nicht verwehren, sondern sie umarmen und als ständigen Quell des Lernens und des Fortschreitens begrüßen.

Ich habe kein Konzept, doch meine Methode ist, mich den Veränderungen zu stellen und auch selbst Veränderungen anzustoßen. Das fällt mir immer wieder schwer, und oft schaffe ich das nicht. Aber tolle Momente und Erfahrungen bestärken mich darin, es immer wieder zu versuchen. Deswegen lebe ich nicht für die Arbeit und arbeite ich nicht für das Leben, sondern ich lebe für das Leben:

Living for Life.

Meine Vision ist, dass sich die Gesellschaft und die Wirtschaft grundlegend zu einem ideellen Wertegefüge hin ändern werden, so wie es beispielsweise in Star Trek immer wieder angesprochen wird und wie es in dem Buchprojekt Trekonomics beschrieben wird:

In Star Trek, humanity has reached abundance. Thanks to scientific progress and good governance, the Federation has overcome the social ills commonly associated with the uneven distribution of material wealth. The citizens of the Federation no longer work to sustain and provide for themselves — they find meaning in more elevated pursuits.

Sich an so etwas heute schon heranzutasten, auszuprobieren und zu leben, in der „Mikrokultur“ eines Unternehmens, das ist einer meiner Träume, der mich begeistert.

You may call me Trekkie.

Lebens- & Arbeitswelten mit Zukunft

Traditionell bedeutet „Arbeit“ Arbeiten für andere gegen Geld (als Angestellter oder als Selbstständiger). Im Unternehmensumfeld wird Erwerbstätigkeit zudem noch oft mit einer bestimmten Zeit und einem bestimmten Ort verbunden. Also von beispielsweise neun bis siebzehn oder sogar einundzwanzig Uhr im Büro der Firma. Inzwischen verliert diese Bedeutung seinen ausschließlichen Anspruch. Damit einhergehend stellen immer mehr Menschen die strikte Isolierung von Beruf und Privatem in Frage.

Für mich gibt es diese Trennung nicht. Auch am Schreibtisch unterhalten wir uns über persönliche Dinge und Interessen. Und im Privaten unterhalten wir uns über die Arbeit. In Gesprächen mit Freunden oder Bekannten lerne ich Dinge für die Arbeit, und „bei der Arbeit“ lerne ich etwas über andere Menschen und deren Interessen. So formt sich meine Lebenswelt, in der es viele unterschiedliche „Mikrowelten“ gibt. Eine davon ist meine Arbeitswelt. Arbeiten ist Bestandteil meines Lebens – genauso wie es meine Hobbies, meine Freundschaften, meine Privatsphäre und einige weitere Welten sind.

Diese integrierende Sichtweise ist eine große Herausforderung insbesondere für diejenigen, die mit einer traditionellen, diskriminierenden Anschauung groß und oft auch erfolgreich wurden. Das stellt viele persönliche und gesellschaftliche Werte in Frage.

Werte statt Hierarchie und Entscheidungskaskaden

Hierarchiegetriebene Arbeitsformen stehen der Kreativität und der Produktivität von Wissensarbeitern im Weg. Doch haben sie je nach Aufgabenstellung und Umfeld durchaus ihre Berechtigung. Jedoch gibt es besser geeignete Organisationsformen und Arbeitsmethoden. Beispiele sind Holakratie und Soziokratie, welche ich grundsätzlich für geeignet halte.

Aber das „kommt darauf an“. Einer der großen Fehler der letzten Jahrzehnte war der Glaube, Hierarchie sei immer, überall und für jeden die einzige Möglichkeit der Organisationsform. Diesen Fehler sollten wir nicht für andere Systeme wiederholen. Für die Zukunft sehe ich, dass Organisationen ihre Arbeitsweisen ausprobieren und anpassen werden. Und es wird innerhalb von Firmen parallel unterschiedliche Organisationsformen geben.

Der ideale Rahmen für Freude an der Arbeit ist ein gemeinsames Wertesystem. Innerhalb von klassisch organisierten Unternehmen gibt es unterschiedliche Wertesysteme, die zu ständiger Konkurrenz führen. Führungskräfte gegen Führungskräfte, Führungskräfte gegen Mitarbeiter, Mitarbeiter gegen Mitarbeiter, Abteilungen gegen Abteilungen. Vorstände gegen Vorstände. Diese Konkurrenz ist einerseits geprägt von Kontrolle bis in die Details, um die eigene Position zu sichern und zu verbessern. Andererseits gibt es ständig Maßnahmen, um diese Kontrolle auszuhebeln, damit die eigene Position verbessert oder gesichert wird – manchmal auch nur, um ein eigenes Wertesystem abseits der Konkurrenz zu leben.

In den letzten Jahren beobachte ich vermehrt, dass sowohl Mitarbeiter als auch Führungskräfte dieses Konkurrenzsystem anzweifeln oder sogar ablehnen. Doch „Befreiungsversuche“ im System sind schwierig. Erst wenn es aus oberen Hierarchieebenen (dem „Establishment“) Veränderungsbestrebungen gibt, ändert sich auch das Unternehmen. Das geht nicht von heute auf morgen. Wichtiges Erfolgskriterium für Veränderungen von oben ist nach meiner Erfahrung „Freiheit geben und Vorbild sein“.

Stillstand war gestern. Fortschritt ist heute. Morgen ist Warp Speed.

Ich für mich bin stets auf der Suche. Als selbstständiger Berater bin ich nie wirklich ein dauerhaftes und voll integriertes Mitglied eines Teams. Doch es bereitet mir immer wieder Freude, wenn ich in Gesprächen (ich vermeide gerne Wörter wie „Besprechung“, „Meeting“ oder „Workshop“) den Tellerrand etwas herunterziehen kann und dann Neugierde und Bereitschaft erkenne. Für mich ist es ein Erfolg, wenn meine Impulse aufgenommen und verarbeitet werden. Und es ist ebenso ein Erfolg für mich, wenn ich etwas von anderen lerne.

Ich beschäftige mich mit den Themen Zusammenarbeit und Produktivität. Das sind meine persönlichen Treiber und die Treiber, die die nächsten Jahre zu ständigen Veränderungen und Anpassungen in Unternehmen sorgen werden. In Stationen in der Bundeswehr, der Chemiebranche, dem IT-Consulting, dem Gesundheitswesen und dem Bankwesen habe ich unterschiedliche Funktionen ausgefüllt. Dabei habe ich bemerkt, dass in Firmen viel zu oft zu jemandem gesprochen wird – aber viel zu selten miteinander.

„Spaß bei der Arbeit“ ist ein relativ neues Konzept. Ich habe nie richtig verstanden, warum sich beides zumindest in Deutschland so lange ausschloss. Nachdem ich 2005 mit dem Bloggen angefangen hatte und sich mein Netzwerk ständig vergrößerte, hatte ich 2007 in Frankfurt mein erstes BarCamp. Seitdem gehe ich etwa zwei bis fünf Mal im Jahr auf ein BarCamp oder eine ähnliche Veranstaltung. Dort geht es um fachliche und persönliche Themen, um Augenhöhe, um Austausch – und immer ist der Spaß dabei. Spaß und Freude gehören für mich zur Arbeit, weil Arbeit ein großer Teil unseres Lebens ist.

Mich beschäftigen die Themen Zusammenarbeit und Produktivität in Organisationen. Doch es darf nicht nur um schneller und weiter gehen – sondern auch um besser, anders und freudiger.

  • Wie können wir mit mehr Freude arbeiten?
  • Wie können wir besser im Sinne von richtiger arbeiten?
  • Wie schaffen wir es als Menschen, bei allen Belastungen ausgewogen und Mensch zu bleiben?

Das sind Fragen, über die ich mich gerne austauschen möchte, damit wir das besser verstehen und wir es besser in die Unternehmen hineinbringen können. Denn:

Das Leben ist zu kurz, um nur ernst zu bleiben ;-)

Frank Hamm

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Frank Hamm ist Impulsgeber der Initiative Lebens- & Arbeitswelten mit Zukunft und beim EnjoyWorkCamp mit dabei.

Lass Dich inspirieren von den Einblicken in die gelebte Praxis unserer Impulsgeber.

Dieser Artikel wurde verschlagwortet mit: Digitale Transformation, Wandel, Veränderung, Werte, Herausforderungen, Mitarbeiter, Führungskräfte, Chefs, Wissensarbeit, Arbeitswelten, Lebenswelten



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