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Mehr Demokratie wagen!

16.06.2014 – Ist es nicht erstaunlich: Wir sind stolz auf unsere Demokratie. Niemand von uns will in einem totalitären Regime leben. Wir exportieren gesellschaftlich vor allem Volkssouveränität, wollen sie in alle Welt tragen. In unseren Unternehmen allerdings hört die Selbst- und Mitbestimmung auf. Hier herrscht ein vornehmlich mechanistisches Weltbild mit Humankapital und Gewinnmaximierung. Firmen sind schließlich keine demokratische Veranstaltung. Ja, warum denn eigentlich nicht? Und warum gilt immer noch die Regel, dass nur auf Zahlen, Daten, Fakten gestützte Entscheidungen professionell sind?

Wer will noch arbeiten, wenn wir uns die Bedeutung des Begriffes Arbeit vergegenwärtigen? Dabei haben Menschen eine innere Motivation, etwas zu leisten, zu schaffen. Lebens- und Arbeitswelten mit Zukunft heißt für mich, unser Verständnis von Berufsausübung endlich zu verwandeln. Rund zwei Drittel der Arbeitnehmer leiden unter schlechter Arbeit und schieben meistens Dienst nach Vorschrift.

Nicht zu unterschätzen ist dabei, wie stark wir von persönlichen und gesellschaftlichen Erwartungshaltungen beeinflusst sind. Wir alle kennen das aus Firmen, in denen unausgesprochen erwartet wird, möglichst unbezahlt Überstunden zu machen. Ich selbst durfte diese erfolgreiche Selbst- und Fremdausbeutung in in meiner Angestelltenzeit erleben. Es ist fast unmöglich, sich in der Selbstwahrnehmung nicht als Kollegenschwein und Drückeberger zu erleben, wenn man die vertraglich vereinbarte Arbeitszeit einhalten möchte.

Wer sollte wem dienen – wir der Arbeit oder umgekehrt die Arbeit uns? Was ist der Sinn der Tätigkeit? Welche Aufgabenstellung würden wir uns suchen, wenn wir finanziell längst unabhängig wären? Würden wir einfach Däumchen drehen oder uns auf einer feisten Yacht durch die Karibik treiben lassen? Würden wir uns dann gerne sagen lassen, was wir zu tun und zu lassen haben? Würden wir unsere Ahnungen, unsere Gefühle, was gut und was richtig ist, freiwillig an der Pforte abgeben?

Schnell wird klar: einige der Fragen sind rhetorischer Natur. Für Lebens- und Arbeitswelten mit Zukunft müssen wir unser Verständnis auf den Kopf stellen. Am wichtigsten scheint mir persönlich: Die Möglichkeit, meine Erwerbstätigkeit und das Unternehmen, für das ich tätig bin, mitzugestalten und – zu steuern. Menschen streben nach Selbstbestimmung. Das zeigt jedes gesunde Kind: „Ich kann das selber.“ Die gute Nachricht: Es gibt immer mehr Organisationen, die es geschafft haben, Leben mit Berufung zu verbinden und Erwerbsarbeit neu zu gestalten.

Sie haben erkannt, dass eine herausragende Aufgabe von Führungskräften darin besteht, Mitarbeiter erfolgreicher zu machen. Der übliche Weg vieler Personalentwickler und Chefs besteht darin, die Belegschaft in Fort- und Weiterbildungen zu schicken. Dabei können wir uns viel kostengünstiger und langfristig vermutlich effektiver den Erwartungseffekt zunutze machen. Wir müssen einfach nur anfangen, an die Leistungsfähigkeit und (Entscheidungs)Kompetenz unserer Mitarbeiter und Kollegen zu glauben. Wenn wir das ernsthaft und überzeugt tun, stärken wir deren Selbstwirksamkeitserwartung und damit ihren Erfolg. Was sich in der Folge auf den Unternehmensgewinn positiv auswirken wird. Eine elegante, preiswerte und ethisch integre Nutzung des Erwartungseffektes!

Holen wir uns Mitbestimmung und Demokratie in unsere Unternehmen. Und uns allen wird Arbeit (wieder) Freude bereiten.

Andreas Zeuch

Weiterlesen: Zum Profil von Dr. Andreas Zeuch – Impulsgeber unserer Initiative Lebens- & Arbeitswelten mit Zukunft und Teilgeber des EnjoyWorkCamps Stuttgart 2014.

Sehr lesenswert ist hierzu auch Andreas’ Buch “Feel it – So viel Intuition verträgt Ihr Unternehmen”.

Dieser Artikel wurde verschlagwortet mit: Arbeit, Erwerbstätigkeit, Beruf, Motivation, Arbeitswelten, Dienst, Erwartungen, Ausbeutung, Arbeitszeit, Sinn, Erfolg, Demokratie, Wirtschaftsdemokratie, Mitbestimmung, Mitgestaltung, Steuerung, Unternehmen, Entscheidungskompetenz, Mitarbeiter, Verantwor



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