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Stellschrauben für Unternehmenserfolg

10.06.2015 – Der ideale Rahmen für Freude an der Arbeit ist die Freiheit, sich in verschiedene Richtungen entwickeln zu können. An Grenzen stoßen, sich darüber hinweg bewegen. Angstfrei agieren. Wertschätzend auf Augenhöhe kommunizieren. Eine konstruktive Fehlerkultur. Freude an der Arbeit bedeutet ein faires und auskömmliches Einkommen. Freude an der Arbeit ist Freude am Erfolg. Ein Erfolg, der sich einstellt, wenn wir unsere Talente und Fähigkeiten finden. Wenn wir sie einsetzen, um zu wertvollen Lösungen zu kommen. Erfolg, der ein unendlich großes Feld von Wissen und Zusammenhängen sichtbar macht.

Erfolg steht nicht am Ende einer linearen Entwicklung. Wir denken. Wir handeln kreativ. So verändern wir uns. So verändern wir ein Unternehmen beziehungsweise das Umfeld, in dem wir leben – und formen es. Jeder von uns hat dieses Wissen. Es ist unsere Fähigkeit, schöpferisch tätig zu sein. Alles, das wir brauchen, ist eine achtsame Wahrnehmung. Niemand benötigt dafür Werkzeuge, wir selbst sind das Werkzeug.

Wo sind also die Stellschrauben, an denen wir drehen müssen, dass eine Firma besser läuft? Kennen wir unsere eigenen Einflussgrößen? Oder drehen wir an Schrauben, von denen wir nur annehmen, dass wir mit ihnen etwas besser machen können? Weil alle anderen an den gleichen Hebeln hantieren. Haben wir das passende Werkzeug, um Einfluss zu nehmen? Und hilft uns dieses mechanistische Bild überhaupt weiter?

Warum wir nach Erfolgsmodellen suchen

Was motiviert ein Unternehmen dazu, an Stellschrauben zu drehen? In vielen Fällen ist die Antwort ganz einfach: Die Motivation heißt Angst. Angst vor einer ungewissen Zukunft, in der Ressourcen knapper und teurer werden, sogenannte Märkte unberechenbar reagieren und Arbeitskräfte sich rar machen.

Aufgeschreckt vom bösen Wort „Klimawandel“ und dem allgegenwärtigen “Fachkräftemangel” sowie einer diffusen Hilflosigkeit, dass globale Zusammenhänge sich so auswirken, wie kein Algorithmus es je berechnen könnte, klappert eine Vielzahl von Unternehmen mit den Zähnen. Man „stellt sich zukunftsfähig auf“ – quasi militärisch gegen eine unsichtbare Gefahr.

In vielen dieser Unternehmen dominiert die Denkweise des 20. Jahrhunderts. Entlang des klassischen BWL-Wissens verändert man ein paar Parameter hie und da. Man erhöht den Druck und zieht die Daumenschrauben an. Ergänzt ein bisschen Zucker für die Affen. Und denkt, damit hat man den Erfolg auch zukünftig in der Tasche.

Blöd nur, dass sich die Welt, die uns umgibt, schneller dreht als sich Lehrbuchwissen verändert. Unsere Arbeitswelt ist komplexer und dynamischer geworden. Und, huch, wir schreiben tatsächlich das Jahr 2015. Das 20. Jahrhundert haben wir schon länger als eine Dekade hinter uns gelassen.

Im Baukasten der sogenannten Neuen Wirtschaft (NewWork) gibt es Schrauben, die sehr heiß als Stellschrauben für unternehmerischen Erfolg im 21. Jahrhundert gehandelt werden. Von ihnen wird angenommen, dass man sie zur Verbesserung drehen kann: Digitalisierung und Automation einerseits, Augenhöhe und Wertschätzung für Mitarbeitende andererseits.

Digitalisierung und Automation

… sollen mehr Freiheit für Kreativität und innovative Lösungen liefern. Das hört sich zuerst einmal richtig gut an. Tatsächlich bietet beides hohes Potential für künftige Anforderungen. Wie beispielsweise hier von der Stadt Schwäbisch Hall in Kooperation mit dem Open Source Dokumenten-Management-System agorum demonstriert:

Quelle: © 2010 Einlegen, Knopf drücken, fertig – Stadt Schwäbisch Hall. Veröffentlicht von Oliver Schulze mit freundlicher Unterstützung von Jacqueline Rehberger und Horst Bräuner der Stadt Schwäbisch Hall.

Doch die Freiheit, die Digitalisierung bringen kann, zeigt heute bereits ihre unschöne Kehrseite, nämlich die weitere Aufspaltung von Arbeitsprozessen. So werden kleine Arbeitshäppchen an digitale Arbeitssklaven vergeben. Bar jeder sozialen Absicherung arbeiten diese für einen Bruchteil von dem, was in einem festen Arbeitsverhältnis ausgehandelt werden kann. Ihr Chef – eine Maschine. So verstärkt die veraltete tayloristische Denkweise die Kluft zwischen Arm und Reich. Und schafft neue Probleme, denen wir uns als Gesellschaft stellen müssen.

Ein Unternehmen tut gut daran, sensibel und vorausschauend an der Schraube “Digitalisierung und Automation” zu drehen. Jede noch so vermeintlich kleine Änderung, zum Beispiel an einer Software-Applikation (App), gilt es zu hinterfragen und zu reflektieren.

Das macht unser Entscheiden und Handeln komplex. Was mich zum nächsten Punkt führt:

Augenhöhe und Wertschätzung

Im Hinblick auf demografischen Faktor und Fachkräftemangel sind zwei weitere Schrauben – Augenhöhe und Wertschätzung – State of the Art. Doch auch diese Stellschrauben lassen sich leider selbst in flachen Hierarchien nicht leicht drehen. Zu tief steckt in vielen von uns noch eine Chef-Angestellten-Denkblockade. Davon sind sowohl Unternehmensführung als auch einzelne Mitarbeitende betroffen.

Insbesondere dort, wo ein „Leitbild“ top down gesetzt oder halbherzig pseudo-demokratisch „im Team erarbeitet“ wird. Dort, wo Führungskräfte angewiesen werden, mit gutem Beispiel voran zu gehen und „Unternehmenswerte leben“ sollen, wo das Credo lautet: „Unsere Mitarbeiter sind unser Kapital.“ In diesen Unternehmen sind solche Schrauben ganz schnell rundgedreht und nicht mehr zu gebrauchen.

Es ist Zeit, umzudenken: qualitatives, sensibles und intelligentes Wachstum

Im 21. Jahrhundert ist eine andere wirtschaftliche Denkweise notwendig – weg vom rein linearen höher-schneller-weiter-Wachstum hin zu einer deutlich komplexeren Art von Wirtschaftswachstum. Größenwachstum in den westlichen Industrienationen hat ihren Zenit überschritten. Es geht jetzt um den nächsten Entwicklungsschritt: um qualitatives, sensibles und intelligentes Wachstum. Diese Fortentwicklung hat mit einem tiefen Bewusstsein um Zusammenhänge und Beziehungen zu tun. Und es geht um gute Produkte und Dienstleistungen, die sich in technische und ökologische Kreisläufe eingliedern lassen (cradle-to-cradle).

Wer hier an das stark abgegriffene Wort Nachhaltigkeit denkt, ist auf der richtigen Fährte. Wer Nachhaltigkeit allerdings nur als weitere Stellschraube, als Mittel zum Zweck begreift, hat das Wesen von Zukunftsfähigkeit nicht verstanden. Konsequent nachhaltiges Wirtschaften kann ein Unternehmen komplett umkrempeln – sowohl mental als auch konkret in der Projektarbeit und auf Produkt- und Dienstleistungsebene. Nachhaltig wirtschaften heißt, Verantwortung zu übernehmen.

Resilienz stärkt die Wettbewerbsfähigkeit

Verantwortung ist ein recht abstraktes Wort. Es ist inhaltsschwer. Schauen wir es uns genauer an, versteckt sich in ihm etwas sehr Schönes – nämlich das Wort „Antwort“. Eine Antwort setzt eine Frage voraus und jemanden, der fragt. Das Wort „Antwort“ zeigt mir, dass ich nicht allein bin.

Selbstverpflichtung ermöglicht einem Unternehmen zu antworten, und zwar auf die Fragen „Wer bist Du?” und “Was machst Du?“. Diese sind Ausgangspunkt und Reflektionsraum für jedes weitere unternehmerische Handeln auf dem Weg in eine innovative Zukunft. Und darin wiederum liegt sehr viel individuelles und kollaboratives Potenzial für Unternehmenserfolg.

Lebens- & Arbeitswelten mit Zukunft…

… verbinden Leben und Arbeit zu einer sinnstiftenden Symbiose. Beide Seiten profitieren wechselseitig voneinander. Aus einem gleichberechtigtem Zusammenspiel entsteht etwas Neues, das positiv und fortschrittlich in Gesellschaft und Umwelt ausstrahlt.

In meinem Verständnis ist dies ein Prozess. In der Prozesshaftigkeit liegt die Chance. Alles Große fängt mit einem kleinen Schritt an. Es gibt Dutzende Beispiele für ehrlich wirtschaftende Unternehmen, die Nachhaltigkeit sowohl fest im Kerngeschäft als auch ganzheitlich in der Unternehmensorganisation und ihrer Lieferkette umsetzen.

Es sind Pioniere, Überzeugungstäter, Hidden Champions, die nachhaltige Produkte herstellen und intelligente Dienstleistungen ersinnen. Die gesellschaftliche Veränderungen mit smarten Ideen begleiten. Für die Klimaschutz und Biodiversität keine Floskeln für den Nachhaltigkeitsbericht sind. Firmen, die sich zukunftsfähig aufstellen, weil sie die Zukunft nicht als Herausforderung, sondern als Geschenk sehen.

Die angstfrei leben und arbeiten, indem sie Raum für Kreativität lassen. Die loslassen können. Die Mitarbeitende anziehen, die ähnliche Werte leben und daher eine intrinsische Arbeitsmotivation mitbringen. Die nicht über Augenhöhe oder Wertschätzung diskutieren müssen, weil eine solche Haltung ganz selbstverständlich in der DNA des Unternehmens steckt.

Und weil in ihnen Menschen wirken, die nicht an Stellschrauben zu drehen brauchen, weil sie selbst Stellschrauben sind.

Daniela Röcker

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Daniela Röcker ist Impulsgeberin der Initiative Lebens- & Arbeitswelten mit Zukunft und beim EnjoyWorkCamp mit dabei.

Lass Dich inspirieren von den Einblicken in die gelebte Praxis unserer Impulsgeber.

Dieser Artikel wurde verschlagwortet mit: Unternehmenserfolg, Erfolg, Unternehmen, Firma, KMU, Fehlerkultur, Einkommen, Freude an der Arbeit, Arbeitswelten, Lebenswelten, Wissensarbeit, Wertschätzung, angstfrei, Kreativität, Resilienz, Digitalisierung, Automatisierung, Digitale Transformation



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