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Arbeit als Lebensgrundlage – Ist das noch zeitgemäß?

26.06.2016 – Die Einstellung „Nur wer erwerbstätig ist, darf auch essen“ ist breiter Konsens in unserer Gesellschaft. Doch unsere Arbeitswelt ändert sich. Wir entwickeln uns von einer Industrie- zur Informationsgesellschaft. Der technologische Fortschritt bewirkt einen Rückgang von einfachen Jobs, vor allem in der Produktion. Das ist an sich nicht schlecht. Viele Tätigkeiten können und sollten von Maschinen und Computern übernommen werden. Doch was sind die gesellschaftlichen Folgen, stellt die Industrie immer weniger Arbeitsplätze zur Verfügung – und dann auch noch zu unangemessenen Konditionen?

Wir brauchen ein Umdenken in Hinsicht, wann ein Mensch ein „Gutes Leben“ führen darf. Heute wird dies zumeist definiert durch die Formel: Arbeit = Leistung = Anerkennung = Lebensgrundlage. Zukünftig wird es mehr „Arbeitswelten“ geben müssen:

  • Industrielle Produktion – hier wird klassisch produziert und Leistung nach Menge, Qualität, Zeit gemessen
  • Ehrenamt – viele Tätigkeiten heute werden unbezahlt und ohne jegliche Anerkennung geleistet, ob in den Kommunen oder Vereinen. Eine neue Arbeitswelt, die in irgendeiner Form finanziert werden muss.
  • Familie und Pflege – jeder Beitrag zur Gesellschaft muss finanziell bezahlt und durch Beiträge in die Sozialversicherung langfristig honoriert werden.
  • Bildung und Forschung – wichtige Bausteine einer Gesellschaft, die sich weiterentwickelt. Vision: Ein System, das es ermöglicht zu lernen, zu lehren, zu forschen – und zwar unabhängig von Herkunft und Finanzstatus. Die Ergebnisse und Erkenntnisse sind gemeinwohlorientiert und werden der Gesellschaft zur Verfügung gestellt.

Leben und arbeiten gehören zusammen…

Das ist eine philosophische Frage. Sie lässt sich reduzieren auf die individuelle Antwort zu “Was ist der Sinn des Lebens?” Erwerbsarbeit, Profit, Familie, Spaß, Weiterentwicklung, Verbesserung oder einfach nur Da-Sein?

Ich bin zwischenzeitlich ein Befürworterin des (bedingungslosen) Grundeinkommens. Menschen könnten einfach leben. Es muss nicht mehr zur Existenzsicherung gearbeitet werden, und damit bekommt Arbeit für den Einzelnen und die Gesellschaft eine neue Bedeutung und Sinn. Wir könnten den Begriff “Arbeit” grundlegend hinterfragen.

Ich bin überzeugt, der Mensch strebt nach sinnvollem Tun. Jede/r sollte die Möglichkeit haben, sich da einzubringen, wo es ihm sinnvoll erscheint. Ein Grundeinkommen sichert die menschliche Existenz und Würde (Nahrung, Bildung, Wohnen, Kultur, Gemeinschaft, Weiterentwicklung). Ein höherer Standard kann durch weitere Leistungen des Einzelnen dazuverdient werden. Die soziale Sicherheit steigt. Dadurch sinkt die Kriminalität.

Neuer Arbeitsbegriff – neue Interpretation von Erfolg

Mit einer neuen – individuellen – Definition von Arbeit eng verbunden ist eine neue Deutung von Erfolg. Erfolg habe ich dann, wenn eine Aufgabe für alle Beteiligten zufriedenstellend / gut / sehr gut erledigt ist. Das Ergebnis ist sichtbar, spürbar, messbar – zum Beispiel über eine Gemeinwohl-Matrix. Dies erlaubt uns auch eine neue Sicht auf Kooperation. Gute Zusammenarbeit hat viele Vorteile:

  • Entscheidungen treffen aufgrund guter Argumente;
  • respektvoller Umgang auf Augenhöhe;
  • Erkennen von Bedürfnissen von Kollegen und Kunden und das gemeinsames Streben nach einem Business Value, also einem nachhaltigen Mehrwert, führen neben Spaß bei der Arbeit zu kreativen und guten Arbeitsergebnissen.
  • Wenn wir Veränderungen begrüßen können wir uns verbessern.

In meinem Verständnis verschafft uns gute Arbeit dann gute Rahmenbedingungen für Freude an der Arbeit:

  • Festes verlässliches Einkommen
  • sicherer und unbefristeter Arbeitsplatz
  • Behandlung als Mensch durch Vorgesetzte
  • Möglichkeit zur Weiterentwicklung meiner Fähigkeiten
  • Mitbestimmung und Beteiligung an strategischen Entscheidungen
  • Gepflegtes, sauberes Büro, Zugang zu Getränken und Verpflegung
  • Raum für Rückzug (stilles Arbeiten) und Möglichkeiten für Gespräche / Diskussionen
  • Moderne Technik: Web Konferenz, Telefonkonferenz, stabiles Internet, SocialBusiness SW
  • meine Arbeit wird am Ergebnis gemessen, nicht an der Anwesenheitszeit
  • Freiraum: meine Zusammenarbeit orientiert sich am Auftrag, Projekt, Thema. Ich entscheide wann ich mit wem, in welcher Form kooperiere
  • Grundhaltung der Kollegen: jeder gibt sein Bestes (Kultur)
  • Kommunikation und Kooperation auf Augenhöhe


Ulrike Stegmaier

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Ulrike Stegmaier ist Impulsgeberin der Initiative Lebens- & Arbeitswelten mit Zukunft und beim EnjoyWorkCamp mit dabei.

Lass Dich inspirieren von den Einblicken in die gelebte Praxis unserer Impulsgeber.

Weitere Interviews mit EnjoyWorkern findest Du via Foto- und Film-Reportagen

Dieser Artikel wurde verschlagwortet mit: Arbeit, Erwerbsarbeit, Arbeitswelten, Industrie, Informationsgesellschaft, Gesellschaft, Arbeitsplätze, Grundeinkommen, Einkommen, Gemeinschaft, Arbeitsbegriff, Zusammenarbeit



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