Van Bo Le-Mentzel im Profil

Van Bo Le-Mentzel ist Impulsgeber unserer Initiative. Alle Akteure findest Du in unserer Impulsgeber-Liste.

Van Bo Le-Mentzel

Van Bo Le-Mentzel

Karma Ökonom

Harz IV Möbel / Karma Chakhs / #dScholarship
Berlin
Deutschland

hartzivmoebel.de

Lebens- & Arbeitswelten mit Zukunft...

Mit der Industrialisierung vor knapp 200 Jahren und den Maschinen wurde uns Menschen plötzlich ein sehr klares Bild von Arbeit vermittelt: eine Stunde am Fließband bringt so und so viele Büroklammern, wusste Adam Smith. Das heißt: Zeit wurde zu Geld. Heute entstehen Büroklammern kaum mit menschlicher Arbeitskraft mehr (zum Glück), aber zwei Dinge sind uns erhalten geblieben vom Arbeitsbegriff: 1. Arbeit muss Produktivität erzeugen (der sich in Geld ausdrückt) und 2. Arbeit muss anstrengend sein (und hat mit Selbstverwirklichung und Freude nichts zu tun).

Ich finde es beachtlich, was die Industrie an Wohlstand gebracht hat, aber jetzt müssen wir den Arbeitsbegriff weiterentwickeln. Denn es ist heute nicht mehr unser Ideal, unsere Lebenszeit roboterähnliche Tätigkeiten für wenig sinnstiftende Produktionen zu opfern. Schon damals hatte Henry Ford Schwierigkeiten gehabt, die Fließbandarbeiter an sein Unternehmen zu binden. Er musste 800 einstellen, um 200 zu halten (das nennt man den fordistischen Vertrag). Die Leute haben auch damals nicht alles für Geld gemacht. Durch die Globalisierung und den hohen Lebensstandard (jeder will jeden Tag Fleisch essen und unendlich Trinkwasser in die Klos spülen) merken wir, dass unser Wohlstand doch womöglich auf Kosten anderer Menschen geht (die Erntehelfer in Indien, die unsere Biobaumwolle pflücken, können sich niemals ein Bio-T-Shirt leisten).

Immer mehr Menschen (ich bin einer davon) fragen sich nun, wie kann ein Leben aussehen, in dem mein Konsumverhalten nicht den Tod von Foxconn Selbsttötern oder Bangladesch-Fabrikeinstürze mitverursacht? Das ändert dann auch meine Arbeitsmoral, weil ich Strategien suche, wie ich meine Arbeitszeit so einsetzen kann, dass sie zumindest dieses Hamsterrad nicht noch anfeuert, sondern eher entschleunigt.

Das war jetzt viel theoretisches Zeug und ich sag es mal nun ganz einfach, was das genau für mein Verhalten bedeutet:

  1. Ich esse kein Fleisch mehr (und insgesamt schlag ich mir den Bauch nicht mehr voll).
  2. Ich kaufe kaum Neues, sondern borge mir Sachen (z.B. Werkzeuge aus oder entwickele sie selbst)
  3. Ich versuche so viel Zeit wie möglich den Menschen zu widmen, die ich liebe.
  4. Ich schenke jedem Menschen 5 Minuten, der meine Hilfe braucht, und versuche sein Problem in dieser Zeit zu lösen (gelingt fast nie aber die Leute freuen sich über meine Aufmerksamkeit).
  5. Ich mache Experimente (z. B. versuche ich ein Jahr lang ohne Bezahlung zu arbeiten).

Leben und arbeiten gehören zusammen...

Meine Lösung klingt sehr banal, aber sie ist ein Game-Changer, um den Druck aus der Immobilienwirtschaft rauszunehmen: Firmen sollten Räume (mit Fenster), die leer stehen, freigeben. Man kann bereits mit 4-9 Quadratmetern alternative Wohnräume schaffen. Die Firma Startnext hat in eine alte Autowerkstatt ein Schlafhochbett eingezogen für ihre Pendlerarbeiter und ich habe auf einem Parkplatz ein Haus auf einen Anhänger gesetzt (mithilfe von Wolfgang Ramisch): Das Unreal Estate House (mit nur 4 qm Grundfläche). Da muss nur eine Campingtoilette und Dusche rein und eine Kochmöglichkeit. Viel mehr braucht man nicht zum Überleben.

Der österreichische Unternehmer Heini Staudinger hat sich in der gemütlichen Wohnküche seiner Schuhfabrik “Waldviertler” einquartiert. Auf diese Weise muss er keine Wohnung mieten und spart eine Menge Kosten, die er an seine Belegschaft weiterreichen kann (Staudinger zahlt sich kein höheres Gehalt aus als seinen Mitarbeitern!). In Asien sind noch heute die sogenannten Shophouses völliger Standard: Unten Shop, oben Wohnung. Ich finde diese europäische Paranoia, dass die Arbeitsstelle unbedingt vom Wohnumfeld getrennt sein sollte, völlig übereifrig. Das geht ja gesetzlich so weit, dass man im Büro nicht übernachten darf. Das ist Quatsch. Raum muss Raum geben für die Bedürfnisse des Menschen. Und eine Besenkammer oder ein Bereitschaftsraum im Krankenhaus eignet sich bekanntermaßen auch hervorragend für weitaus sinnvollere Dinge als Besen und Bereitschaft.

Stell Dir vor, jeder Mieter hätte noch einen alternativen Wohnsitz irgendwo, ein Mini-Home, wie eine Art Zweitwohnsitz oder Hobbykeller, der keine Miete kostet. Wichtig wäre, dass man aus diesen Mini-Homes nicht rausgeworfen werden darf. Da diese Flächen ja eh frei rumstehen, dürften sie auch keine oder minimale Kosten verursachen. Die größte Angst der Deutschen (die Wohnen und Möbel wie kein anderes Land lieben) ist es auf der Straße zu landen. Um das zu verhindern, tun sie alles. Doch wenn man dieses Dogma aufbricht und diese Angst überwindet, wird man auch ganz anders dem Arbeitsmarkt gegenübertreten: 40 Stundenwochen werden Vergangenheit und das Ehrenamt wird noch stärker florieren. Warum nicht auch ehrenamtlich für das eigene Unternehmen arbeiten? Wenn es selbstbestimmt ist und Spaß macht? Unternehmer trauen ihren MitarbeiterInnen noch zu wenig zu und sehen in ihnen böse faule Kostenstellen. Das ist ein Problem.

Ich werde es ausprobieren und werde auch für meinen jetzigen Arbeitgeber im nächsten Jahr ohne Bezahlung arbeiten wollen. Nicht weil ich doof bin, sondern weil ich nicht verhandeln möchte über meine Arbeitszeit. Denn diese ist meines Erachtens nicht käuflich. Zumindest sollte sie nicht käuflich sein. Menschen, die aus dem Herzen heraus arbeiten, sind eh effektiver und kreativer und werden weniger krank.

Jeder Unternehmer weiß das und dennoch werden Arbeiter mit stupiden Aufgaben beschäftigt. Meistens wird gesagt: Bitte erledige diese Aufgabe. Selten wird der Mitarbeiter gefragt: Hast Du eine Idee, was man tun müsste, damit die Firma dieses Ziel xy erreicht? Oder noch mutiger wäre die Frage: Was müsste man tun, um meine Stelle als Dein Vorgesetzter überflüssig zu machen?

Dazu gehört aber ne Menge Mumm und dieser Mumm wird entscheiden, wer die Unternehmer und leader von Morgen sein werden. Denn Führung wird in der Zukunft nicht mehr viel mit delegieren und Management zu tun haben. Führen wird eher der Aufbau und das Motivieren von Crowds sein. Große Mitarbeiterbelegschaften werden eh zusammenbrechen. Arbeit ist einfach zu teuer und kann sich kein Unternehmen leisten.

Es ist traurig, dass gar große Autokonzerne nicht ohne Zeitarbeiter auskommen. Zeitungsverlage heulen rum, weil die Zeitungsaussteller nun auch nach Mindestlohn bezahlt werden sollen. Ich kannte mal einen Zeitungsaussteller. Der hat so wenig Geld verdient, dass er sich keine Wohnung leisten konnte. Ich habe ihn im Unreal Estate House überwintern lassen müssen, damit wir morgens unsere Zeitungs lesen können. Schräg oder?

Bewusst leben. Erfolgreich arbeiten. Zukunft gemeinsam gestalten.

Es gibt Menschen, die wollen einfach nur abarbeiten und dafür eine Anerkennung (z.B. Geld oder Lob) und es gibt Menschen, die wollen weder Geld noch Lob. Sie brennen für ein Thema und wollen es tun. Die Startups sind meist angetrieben durch eine Passion. Beiden Motivationstypen muss der Arbeitsmarkt gerecht werden.

Ich finde es sehr spannend zu sehen, was eigentlich passiert, wenn Du den Menschen die Existenz ermöglichst, auch wenn sie nichts als Gegenleistung tun. Ich behaupte, dass dann das innere Genie stimuliert wird (in jedem von uns steckt so ein kleines Scheißerchen). Und der ist unendlich kreativ und kann echte Probleme lösen.

Über mich

Ich setze mich ein für die Freiheit der 7 W's: Wasser, Wissen, Wohlbefinden (Nahrung und Medikamente), Wohnraum, Wegeführung, Wärme und Wolkenraum. Diese 7 W's gehören meines Erachtens niemandem und sind Gemeingüter, zu denen JEDER Mensch Zugang haben sollte (Commons).

In den letzten Jahren habe ich mich zu diesen Projekten hinreißen lassen:

Mein aktuelles Projekt:


Quelle: © 2014 Van Bo Le-Mentzel – #dScholarship


Meine Beiträge zur Initiative - EnjoyWorkCamp Session(s)

  • Yin und Yang Methode – wie man seine Lebenszeit verdoppelt


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