Gunnar Görke im Profil

Gunnar Görke ist Impulsgeber unserer Initiative. Alle Akteure findest Du in unserer Impulsgeber-Liste.

Gunnar Görke, derzeit in der Neuorientierung. Vorher: Betriebswirtschaftlicher Berater und Software Ingenieur aus Stuttgart.

Gunnar Görke

Derzeit in der Neuorientierung. Vorher: Betriebswirtschaftlicher Berater und Software Ingenieur

Stuttgart
Baden-Württemberg | Deutschland

gunnar-goerke.de

Lebens- & Arbeitswelten mit Zukunft...

Eine beziehungslose Welt ist einfach. In ihr braucht man nur genug Geld und schon bekommt man, was man will. Selbst Zuwendung kann man sich kaufen. Nur dummerweise ist Geld häufig knapp. Also stellt sich die Frage, wie bekomme ich am meisten Leistung für mein Geld oder wie zahle ich möglichst wenig Geld für eine bestimmte Leistung? Und für den Gelderwerb gilt es dann umgekehrt: Wie bekomme ich für wenig Leistung möglichst viel Geld? Alles Gleichungen, die man optimieren kann.

Das Ganze nennt man dann “wirtschaften” und man kann es sogar studieren, was ich getan habe. Bewertet man alles mit Geld oder Nutzen, dann lassen sich diese Optimierungen und sogar die daraus folgenden Entscheidungen super mit einem Computer automatisieren. Das kann man dann in den Fächern Wirtschaftsinformatik und Controlling lernen, was ich auch getan habe. So errechnet man Effizienz: Mit wenig Mitteln möglichst viel Ertrag.

Alles ganz einfach! Oder?

Ich habe beides dann sogar zu meinem Beruf gemacht und arbeitete 15 Jahre bei einem Marktführer für betriebswirtschaftliche Software. Dort lernte ich etwas anderes, was ich an der Hochschule nicht gelehrt bekommen habe:
Eine derartige vorwiegend beziehungslose Effizienz-getriebene Welt fühlt sich irgendwie leer, leblos und dennoch total gestresst an. Es werden plötzlich Entscheidungen getroffen und Ziele angestrebt, die irgendwo unsinnig oder lieblos scheinen, aber fast immer dringend sind. Und es finden sich immer genug Zahlen, Daten und Fakten, die etwas als sinnvoll erscheinen lassen, obwohl es sich unsinnig anfühlt.

Bis ich dann irgendwann immer mehr das deutliche Gefühl bekam, mein Leben zu verpassen.

Leben und arbeiten gehören zusammen...

Und ich fragte mich: Was macht ein Leben eigentlich wirklich lebendig? Damals wusste ich das nicht wirklich. Heute habe ich meine Antwort gefunden. Lebendigkeit ist für mich die Intensität, mit der ich mit den Menschen, der Welt und dem was ich tue in Beziehung bin. Und “in Beziehung sein” heißt für mich vor allem in unmittelbarem Kontakt alles zu fühlen und daraus zu reden und zu handeln. Das betrifft die Grundgefühle wie Wut, Trauer, Angst, Freude und Scham. Aber es geht auch schon beim Körper und dem sinnlichen Erleben los. Je intensiver ich fühle, umso lebendiger fühle ich mich auch und umso mehr bin ich mit meiner Umwelt in Beziehung.

Also begann ich das Fühlen und “in Beziehung sein” zu studieren. Ich gründete z.B. in der Firma eine ZEN-Meditationsgruppe, initiierte einen “Tag der gegenseitigen Anerkennung” mit einer Zielgruppe von rund 15000 Kollegen, initiierte eine Selbsterfahrungsgruppe, coachte Kollegen und wurde Leiter einer strategischen Initiative zur Verbesserung der Kommunikation zwischen Management und Mitarbeitern. Und nebenbei besuchte ich unzählige Seminare und Ausbildungen zu diesem Thema.

Und ich stellte immer mehr fest: Je mehr ein Mitarbeiter mit allen Personen, die für seine aktuellen Aufgaben wirklich wichtig sind, in Beziehung, also fühlende Kommunikation gehen kann, umso lebendiger und erfüllter ist er nicht nur – nein umso besser ist danach auch die Qualität seiner Arbeit.

Doch leider musste ich immer mehr feststellen, dass in einem hierarchisch organisierten Großunternehmen schon alleine aus Zeitgründen genau dieser fühlende Kontakt immer weniger möglich wird, je höher der notwendige Ansprechpartner in der Hierarchie sitzt. In einer Zeit, in der die Qualität der Produkte und Dienstleistungen immer kritischer von Verbrauchern überall online diskutiert wird, ist daher meiner Meinung nach das zentral hierarchisch geführte Unternehmen ein Auslaufmodell. Die Volkswagen Abgas Affäre hat dieses Defizit der zentral gesteuerten Unternehmensführung deutlich vor Augen geführt. Es braucht also neue Alternativen.

Bewusst leben. Erfolgreich arbeiten. Zukunft gemeinsam gestalten.

Freude ist attraktiv, auch auf der Arbeit. Freude ist das Gefühl, welches uns signalisiert, dass wir etwas als “richtig” interpretieren. Und wann interpretieren wir etwas als “richtig”? Wenn es unsere Bedürfnisse erfüllt, inklusive des Bedürfnisses nach Sinn. Nun ist es aber häufig so, dass etwas nicht unsere Bedürfnisse erfüllt. Wenn wir uns in einer solchen Situation also freuen wollen, braucht es zunächst eine Nutzung der anderen Gefühlskräfte, welche uns signalisieren, dass etwas nicht unseren Bedürfnissen entspricht. Dies wären dann Wut (Interpretation “das ist falsch”), Trauer (“das ist schade”), Angst (“das ist furchtbar”) und Scham (“ich bin falsch”). Vivian Dittmar hat das hervorragend in ihrem Buch “Gefühle und Emotionen – eine Gebrauchsanleitung”) herausgearbeitet.

Wenn wir all diese Gefühle fühlen, kommen wir in Beziehung mit dieser Situation. Wir beziehen uns auf sie, indem wir sie fühlend interpretieren. Wenn wir wiederum fühlen, fühlen wir uns lebendig und können mit unserem ganzen Wesen mit einer Situation umgehen, sie lösen und uns daran freuen. Der ideale Rahmen für Freude an der Arbeit ist also eine Umgebung, die es uns ermöglicht, mit allen für unsere Aufgabe relevanten Personen fühlend in Kontakt, also in Beziehung zu gehen und auf Augenhöhe aus unseren Bedürfnissen heraus zu kommunizieren und mitfühlend zu lauschen. Es ist eine Kultur, welche die Lebendigkeit des Fühlens und “miteinander in Beziehung seins” ehrt und inspiriert.

Hierzu ist wie oben schon erklärt aber auch notwendig, dass jeder Mitarbeiter die für seine Aufgabe notwendigen Entscheidungsgewalten besitzt und mit allen hiervon betroffenen Personen in möglichst direkte Beziehung/ Kommunikation gehen kann. Es braucht eine neue Unternehmenskultur wie sie z.B. Laloux in seinem Buch “Reinventing Organizations” als “Integrale Organisationsform” beschreibt.

Mich als Wirtschaftsinformatiker interessiert in diesem Zusammenhang natürlich auch die Frage: Wenn wir “in Beziehung sein” als Qualitätsmerkmal einer Organisationsform anerkennen und fördern wollen, wie müssen dann die innerbetrieblichen Abläufe und dadurch auch die Software gestaltet werden? Wie lässt sich Automatisierung gestalten, dass der Mensch die Maschinen steuert und nicht die Maschine den Menschen? Und wie halten wir in einem automatisierten Umfeld den Raum für unser menschliches Fühlen und die kreativen und verantwortlichen Handlungen daraus, die beide so unersetzlich sind für das Leben unseres eigenen vollen Potenziales und das der Organisation?

Meine Beiträge zur Initiative - EnjoyWorkCamp Session(s)

Ich sehe in der Initiative EnjoyWork eine Möglichkeit, Inspiration zu finden, wie sich in Zukunft menschliches fühlendes Beziehungspotenzial und Automatisierung bestmöglich verbinden lassen. Meine Vision sind Unternehmen, bei denen jeder Mitarbeiter mit vollem Herzen verantwortungsvoll bei der Sache ist, weil er sich mit seinem ganzen Fühlen einbringen und gestalten kann.

Ich würde gerne das Konzept der “Kraft der Gefühle” nach Vivian Dittmar vorstellen und mit interessierten Teilnehmern Möglichkeiten erforschen, wie sich dieses in einer Arbeitsumgebung natürlich integrieren lässt.



Weitersagen heißt unterstützen

Dir gefällt dieser Artikel? Bitte empfehle uns gern weiter in Deinem Netzwerk. Vielen Dank!

Aus Gründen des Datenschutzes ist diese Funktion zum Teilen per default inaktiv. Mehr erfährst Du über den Button i.
Über das Zahnrädchen kannst Du Deine gewünschte Standard-Einstellung wählen.

Service

Webcode dieser Seite: 595

Diese Seite wurde verschlagwortet mit: Lebensqualität, Freude, Arbeit, Wirtschaft, Sinn, Sinnvoll Wirtschaften, Nachhaltigkeit, Eco-Business, Social-Business, Gemeinwohl, GWÖ, Ökonomie, Umwelt, Strategie, Strategisches Marketing, Marketing-Kommunikation, effizient, ökologisch, sozial